In irgend einem abgelegenen Winkel des in zahllosen Sonnensystemen flimmernd ausgegossenen Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Thiere das Erkennen erfanden. Es war die hochmüthigste und verlogenste Minute der „Weltgeschichte“: aber doch nur eine Minute. Nach wenigen Athemzügen der Natur erstarrte das Gestirn, und die klugen Thiere mussten sterben. — So könnte Jemand eine Fabel erfinden und würde doch nicht genügend illustrirt haben, wie kläglich, wie schattenhaft und flüchtig, wie zwecklos und beliebig sich der menschliche Intellekt innerhalb der Natur ausnimmt; es gab Ewigkeiten, in denen er nicht war; wenn es wieder mit ihm vorbei ist, wird sich nichts begeben haben. Denn es giebt für jenen Intellekt keine weitere Mission, die über das Menschenleben hinausführte. Sondern menschlich ist er, und nur sein Besitzer und Erzeuger nimmt ihn so pathetisch, als ob die Angeln der Welt sich in ihm drehten. Könnten wir uns aber mit der Mücke verständigen, so würden wir vernehmen, dass auch sie mit diesem Pathos durch die Luft schwimmt und in sich das fliegende Centrum dieser Welt fühlt. Es ist nichts so verwerflich und gering in der Natur, was nicht durch einen kleinen Anhauch jener Kraft des Erkennens sofort wie ein Schlauch aufgeschwellt würde; und wie jeder Lastträger seinen Bewunderer haben will, so meint gar der stolzeste Mensch, der Philosoph, von allen Seiten die Augen des Weltalls teleskopisch auf sein Handeln und Denken gerichtet zu sehen. Was ist gut? — Alles, was das Gefühl der Macht, den Willen zur Macht, die Macht selbst im Menschen erhöht. Was ist schlecht? — Alles, was aus der Schwäche stammt. Was ist Glück? — Das Gefühl davon, dass die Macht wächst, dass ein Widerstand überwunden wird. Nicht Zufriedenheit, sondern mehr Macht; nicht Friede überhaupt, sondern Krieg; nicht Tugend, sondern Tüchtigkeit (Tugend im Renaissance-Stile, virtù, moralinfreie Tugend) Die Schwachen und Missrathnen sollen zu Grunde gehn: erster Satz unsrer Menschenliebe. Und man soll ihnen noch dazu helfen. Was ist schädlicher als irgend ein Laster? — Das Mitleiden der That mit allen Missrathnen und Schwachen — das Christenthum… Allgemeinste Typen der décadence: 1) : man wählt, im Glauben, Heilmittel zu wählen, das, was die Erschöpfung beschleunigt — dahin gehört das Christenthum —: um den größten Fall des fehlgreifenden Instinkts zu nennen; — dahin gehört der „Fortschritt“ —: 2) : man verliert die Widerstands-Kraft gegen die Reize, — man wird bedingt durch die Zufälle: man vergröbert und vergrößert die Erlebnisse ins Ungeheure… eine „Entpersönlichung“, eine Disgregation des Willens — — dahin gehört eine ganze Art Moral, die altruistische die, welche das Mitleiden im Munde führt: an der das Wesentliche die Schwäche der Persönlichkeit ist, so daß sie mitklingt und wie eine überreizte Saite beständig zittert… eine extreme Irritabilität… 3) man verwechselt Ursache und Wirkung: man versteht die décadence nicht als physiologisch und sieht in ihren Folgen die eigentliche Ursache des Sich-schlecht-befindens — dahin gehört die ganze religiöse Moral 4) : man ersehnt einen Zustand, wo man nicht mehr leidet: das Leben wird thatsächlich als Grund zu Übeln empfunden, — man taxirt die bewußtlosen, gefühllosen Zustände (Schlaf, Ohnmacht) unvergleichlich werthvoller als die bewußten: daraus eine Methodik… Dionysos. - IV (1) Die ganze bisherige Entwicklungsgeschichte der Philosophie als Entwicklungsgeschichte des Willens zur Wahrheit. - IV (2) Zeitweiliges Überwiegen der socialen Werthgefühle begreiflich, um einen Unterbau herzustellen. - IV (3) Kritik des guten Menschen, nicht der Hypokrisie der Guten… - II (12) jede verstärkte Art Mensch auf dem Niveau einer niedrigeren stehend - IV (20) Ersatz der Moral durch den Willen zu unserem Ziele und folglich zu dessen Mitteln / Auf Lob verzichten… - IV (23) Berichtigung des Begriffs „Egoismus“ - IV (24) militärische Ausdrücke - IV (25) Zukunft der Askese - IV (26) Zukunft des Arbeiters- IV (29) Maaß des Unglaubens, von zugelassener „Freiheit des Geistes“ als Macht-Maaß - IV (31) extremste Form des Nihilism: in wiefern eine göttliche Denkweise - IV (32) dionysisch: neuer Weg zu einem Typus des Göttlichen; mein Unterschied gegen Schopenhauer von Anfang an. - IV (35) was der große Mensch gekostet hat. - IV (40) moderne Verurtheilung des Willens zur Macht - IV (43) der Werth eines Menschen nicht nach seinen Wirkungen meßbar. „Vornehm“ - IV (44) Philosophie Kunst des Lebens, nicht Kunst zur Entdeckung der Wahrheit Epicur. Zur Geschichte der Philosophie. - IV (46) Wille zur Wahrheit - IV (48) Colportage-Philosophie. Zum Ideale des Psychologen - IV (49) welchen Sinn es hat, Werthe umwerthen. - IV (54) Zur Charakteristik der „Starken“ - IV (56) Voraussetzung für eine Umwerthung der Werthe - IV (66) Wiederherstellung der Ascetik. - IV (78) Zukunft der Kunst - IV (89) Zukunft der Erziehung: Cultur der Ausnahme - IV (93) zur Rechtfertigung der Moral. Recapitulation. - IV (105) die Starken der Zukunft - IV (107) Tugend ohne Schätzung heute: es müßte sie denn Einer als Laster in Umlauf bringen - IV (116) classisch: zur zukünftigen Aesthetik - IV (124) rechtfertigender Rückblick auf die schlimme Consequenz der Moral-Tyrannei. - IV (127) zum Schluß: ein Goethischer Blick voll Liebe, wirkliche Überwindung des Pessimism - IV (129) Goethes Versuch zu einer Überwindung des 18. Jahrhunderts / warum fehlt Goethe als Ausdruck des 19. Jahrhunderts? - IV (130) die deutsche starke Art - IV (137) meine fünf Neins: zur Vorrede? - IV (138) mein neuer Weg zum Ja - IV (140) zu Ehren des 19ten Jahrhunderts. - IV (141) sich schämen, Christ zu sein - IV (143) zur Rechtfertigung der Moral - IV (145) die ökonomische Abschätzung der bisherigen Ideale - IV (146) Nutzbarmachung des Menschen durch die Tugend: Maschinen-Tugend - IV (148) Vortheil des continuums - IV (149) „niedere“ und „höhere“ Existenz? - IV (150) Ausscheidung von Luxus-Überschuß der Menschheit. die zwei Bewegungen - IV (157) Mit der Kunst gegen die Vermoralisirung kämpfen - IV (159) Die Regel rechtfertigen - IV (160) Wissenschaft, zwei Werthe - IV (161) Culturcomplex, nicht Gesellschaft - IV (162) Barbarei nicht Sache des Beliebens - IV (163) Zunahme der Gesammt-Macht des Menschen: in wiefern sie alle Art Niedergang bedingt. - IV (174) Affekte als Wehr und Waffe: was wird aus dem Menschen ohne Nöthigung zu Wehr und Waffen? - IV (175) Gebiets-Verkleinerung der Moral: Fortschritt - IV (179) Problem des Verbrechers - IV (182) die Vernatürlichung des Menschen des 19. Jahrhunderts. - IV (184) Zum Ideal des Philosophen. Schluss - IV (187) Rangordnung der Menschen - IV (189) wo man die stärkeren Naturen zu suchen hat - IV (191) das tragische Zeitalter - IV (193) nicht „besser machen wollen, sondern stärker - IV (195) nicht uniformiren! „Tugend“ nichts Mittelmäßiges, etwas Tolles - IV (207) Die Probe der Kraft - IV (209) Princip der Rangordnung… - IV (210) Begriff Gottes, nach Abrechnung mit den „Guten“ - IV (214) ob die Fürsten uns Immoralisten entbehren können? - IV (216) wir Erkennenden — wie unmoralisch! - IV (217) Protest gegen Christ als Typus des Menschen: während er nur eine Carikatur ist… - IV (220) Register zu machen für meine Ja, meine Neins, meine Fragezeichen. - IV (221) Typus meiner „Jünger“ - IV (222) gegen Schopenhauer der Schurken und Gänse castriren will. Zur „Rangordnung“. - IV (223) zur Stärke des 19. Jahrhunderts. - IV (224) ob ich der Tugend geschadet habe? - IV (225) gegen die Reue - IV (226) Die Tugend ins Vornehme übersetzt - IV (227) meine Art Rechtfertigung der Tugend - IV (228) zur Rangordnung - IV (230) zur Kritik der Idealisten: als Gegensatz zu mir - IV (231) Krieg gegen „vornehm“ im weichlich-weiblich-weibischen Sinn - IV (232) unsere Musik, zum Begriff „klassisch“ „genial“ usw. - IV (233) in wiefern ich nicht die Vernichtung der Ideale wünsche, die ich bekämpfe — ich will nur Herr über sie werden… - IV (234) meine Stellung und die Schopenhauers eine Controverse, zu Kant insgleichen, zu Hegel, Comte, Darwin, zu den Historikern usw. - IV (235) ich knüpfe an die starken Seiten des Jahrhunderts an. - IV (237) in wiefern ich der Mittelmäßigkeit zu neuen Ehren verhelfe. - IV (239) die Naivetät in Hinsicht auf die letzten „Wünschbarkeiten“ während man das „Warum?“ des Menschen nicht kennt. - IV (249) die „bewußte Welt“ kann nicht als Werthausgangspunkt gelten: Nothwendigkeit einer „objektiven Werthsetzung“. - IV (250) „Gott“ als Maximal-Zustand - IV (251) sich des Unglücks schämen - IV (252) wir Erkennenden — unsre letzte Art der Selbstüberwindung - IV (254) meine Gesichtspunkte der Werthe - IV (260) meine Absicht, die absolute Homogeneität alles Geschehens: die moralische Unterscheidung nur eine perspektivische - IV (262) Ehe, Ehebruch - IV (271) der tragische Künstler - IV (273) die moralistische Liberalität als Zeichen der Zunahme an Cultur - IV (285) ich vertrage keinen Compromiß mit dem Christenthum — IV (290) meine absolute Vereinsamung: zur Einleitung. - IV (300) die Intoleranz der Moral ganz allgemein beurtheilt — Ausdruck von Schwäche des Menschen - IV (305) George Sand - IV: 73 (344) Prostitution, Ehe (358) zur Erkenntnißlehre: innere Phänomenalität (359) Wahrhaftigkeit — was sie ist? (360) Freude, überall die Immoralität wieder zu entdecken (361) der wirkliche Mensch mehr werth als der wünschbare! (362) Vorrede: Heraufkunft des Nihilismus (363) Subjekt, Objekt (364) „Hunger“ im Protoplasm ... (365) der Widersinn im Gottesbegriff: wir leugnen „Gott“ in Gott. (370) gegen die „Gerechtigkeit“ (Receptbuch) (372) die drei Ideale: heidnisch; anämisch; widernatürlich { Lebens-Recepte - für uns. } Die „ewige Wiederkunft“ Die große Politik.